Vom 14. bis 16. Januar 2026 hat mein Team eine Inhouse Low-arousal-Schulung organisiert. Ich war nicht im Seminarraum dabei – und doch ging es in diesen drei Tagen um mich, mein Erleben und den Umgang damit.
Manchmal steigt meine Spannung schnell. Umwelt, Anforderungen, Überforderung, Erwartungen können mein Erregungsniveau schnell steigen lassen. Von außen sieht man vielleicht Kontrollverlust. Ihr könnt nur ahnen, wie es sich von innen anfühlt, denn Worte habe ich nicht mehr dafür.
Der Low-Arousal-Ansatz bedeutet für mich, dass mein Verhalten nicht als Angriff verstanden wird, sondern als Ausdruck von Überforderung. Dass niemand gegen mich kämpft, wenn ich längst gegen mich selbst kämpfe.
Mein Team hat gelernt, darauf zu achten, wann meine Spannung steigt und wie man mich dann unterstützen kann: Anforderungen reduzieren, bevor alles kippt, leise Stimme, statt lauter Ansage, Raum lassen ohne Beziehungsabbruch.
Wenn ich in hoher Anspannung bin, kann ich keine Diskussion führen. Ich kann keine langen Erklärungen verarbeiten. Ich brauche Sicherheit. Struktur. Klarheit. Und vor allem ein Gegenüber, das ruhig bleibt. Für Menschen mit Autismus und geistiger Behinderung macht „Strenge“ keinen Sinn, denn es geht nicht um Wollen, sondern um nicht können.
Low Arousal heißt für mich:
- Niemand will gewinnen.
- Niemand will Recht behalten.
- Niemand stellt meine Würde infrage.
Spannungsgeladene Situationen werden entschärft, ohne mich zu beschämen. Danach wird gemeinsam geschaut, was passiert ist, damit ich weniger oft an meine Grenze muss. Ich werde nicht reduziert auf den Moment der Eskalation. Ich bleibe ein Mensch in Beziehung. Ich darf mich entwickeln – in einem Rahmen, der meine Würde schützt.
Low Arousal ist für mich keine Technik. Es ist die Sicherheit, dass jemand bleibt, wenn es schwierig wird.
